Warum ich schreibe – Mittwochsblog

Warum ich schreibe – Mittwochsblog

Ich schreibe, weil ich gar nicht mehr anders kann.
Ich schreibe, weil ich sonst zum Zombie werde..
Ich schreibe, weil ich schreiben will und mich niemand davon abhalten kann. Außer ich selbst.
Ich schreibe, weil mich niemand davon abhalten kann, das auf Papier zu bringen, was für mich wahr und richtig ist.
Was mich ängstigt. Was mich freut.

Auf dem Papier steht es dann! Ein für alle Mal.
Unveränderbar. Unverrückbar. Unretournierbar.
Endlich einmal etwas, das sich nicht verändert, verformt, zerfließt.
Gefühltes, Menschen, Orte und Geschichten auf Papier bleiben.

Weniger Gedankenrasen auf der Gehirnautobahn

Ich schreibe, um mich zu beruhigen. Schreiben klärt. Es führt mich von einem Gedanken zum nächsten. Manchmal Springen, Ablenken, woanders hinsausen. Aber ich kann mich leichter wieder selbst einfangen. Den letzten Satz kurz wieder im Blick. Oder den davor. Entschleunigung. Die Höchstgeschwindigkeit wird eher eingehalten. Es gibt weniger Unfälle.

Die Gedanken werden langsamer beim Schreiben. Stellen sich ordentlich an. Sie wollen alle gehört werden und benehmen sich deshalb etwas besser als sonst. Sie bringen sich auch mal wieder in Erinnerung, falls ich sie noch nicht aufs Papier gebracht habe. Bleiben nicht gleich beleidigt weg, wenn es mal nicht auf Anhieb klappt mit meiner Aufmerksamkeit.

Gedanken anschauen

Gedanken anschauen können durch Schreiben. Gedanken hin und her wenden, wenn sie auf Papier stehen. Einen anderen Gedanken haben. Vergleichen – welchen behalte ich? Den Schöneren? Den Logischeren? Welcher ist schön und wahr? Welchen behalte ich, auch wenn er nur wahr ist?
Die schönen Gedanken sind nicht immer die, die mir weiterhelfen.

„Das hier ist ihr absurdester Gedanke! Was wollen Sie jetzt damit machen?“ – Gute Frage!

Die wilde Reise

Ich will mir einen Raum erschreiben, weil in meinem Leben viel zu lange kein Platz für meine Ängste, meine Verluste und meine Trauer sein durfte. Viel zu oft haben mir einfach die Worte gefehlt oder ich habe mich geschämt, sie auszusprechen. Und weil sie sowieso niemand hören wollte, habe ich auch das Interesse verloren. Es schien nicht wichtig genug zu sein. Also habe ich mir das alles irgendwann noch nicht einmal mehr selber erzählt. Das war nicht gut und hat zu sehr blöden Resultaten geführt.

Einen Raum schaffen

Ich glaube, dass wir Räume brauchen, in denen wir nicht produktiv sein müssen. Wo wir keine Trauerarbeit leisten müssen, sondern einfach nur trauern dürfen. Wo wir unsere Ängste nicht bearbeiten müssen, sondern sie erst einmal in Besitz nehmen können. Wo wir unsere Gefühle nicht verarbeiten müssen, sondern sie einfach nur betrachten können. Räume, in denen es sogar in Ordnung ist, unter der Last einmal zusammenzubrechen und ein Weilchen liegen zu bleiben. Um uns zu erholen. Deep rest. (Es werden keine Dauerliegeplätze angeboten.)

Vielleicht brauchen wir sogar Räume in denen es sicher genug ist, dass wir toben und wüten dürfen.
Ohne dass gleich Porzellan zerschlagen wird oder sonstige bleibende Schäden entstehen. Oder jemand fordert, dass wir uns „Doch endlich mal zusammenreissen!“ sollen. 

Diese Räume sollten nicht irgendwo am Rande und schwer zu erreichen sein, sondern nahe der Mitte. So dass wir leicht dorthin gelangen können und der Weg zurück auch nicht so weit ist. Nur einen Klick entfernt. Zack! Drinnen! – und wieder nach draußen nach einem angemessen langen Besuch.

Dafür schreibe ich hier!



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