Gibt es etwas Schlimmeres, als die eigene Medizin trinken zu müssen? – Mittwochsblog

Gibt es etwas Schlimmeres, als die eigene Medizin trinken zu müssen? – Mittwochsblog

Im Februar habe ich beim „Dare to Soar“ Telesummit einen Vortrag gehalten mit dem schönen Titel

“You’ll never know what will happen next. — And this is OK.
– How improv skills will help you thrive.“

Ich habe mich ausführlich über die vier wichtigsten Prinzipien des Improtheaters ausgelassen, die dabei helfen, mit Unsicherheit und Kontrollverlust besser umzugehen.

  1. Yes, and … Accepting what is.
  2. Step-by-step … take one step at a time.
  3. Love your mistakes!
  4. Play the scene you would love to see.

Und in dieser Woche habe ich erst mal alles mögliche gemacht, aber mich bestimmt nicht an meine eigenen Weisheiten gehalten. Scheiße, ist das schwer.

Ja, und… Annehmen, was ist.

In dieser Woche war das: Ich habe überall Schmerzen, kann mich nicht konzentrieren, schlafe schlecht, kurz und gut: Ein fieser Schub meiner Fibromyalgie. Das kommt jetzt ja einfach so. Ohne Vorwarnung, ohne, dass ich etwas „falsch“ gemacht habe. Scheiß-Krankheit! Mehr muß man gar nicht dazu wissen!

Ich bin noch Anfängerin in diesem Krankheitsgeschäft. Ich habe also gar nichts akzeptiert, sondern bis gestern noch geglaubt, dass ich das alles genauso wie geplant hinbekomme, nur eben später. Pustekuchen!

Annehmen, was ist, sieht jetzt so aus:
Ich schreibe meine beiden ausstehenenden Artikel nicht wie es super-toll gewesen wäre oder wie geplant, sondern liefere das, was geht.

Das „Annehmen“ in die richtige From bringen hat jetzt fünf Tage gebraucht. Aber jetzt ist der Blogpost, der am Sonntag hätte da sein sollen, endlich doch da. Als Linksammlung mit, wie ich finde, eher ungewöhnichen Links zum Thema „Leadership“ als Antwort auf Frage 23: „Was würdest du in der Geschäftswelt gerne verändern?“ Und den von Mittwoch liest du gerade, auch wenn er erst am Freitag „geklappt“ hat.

Vielleicht bin ich beim nächsten Mal schneller. Ich übe noch, mit meiner neuen chronischen Schmerzerkrankung umzugehen. Da kann gar nicht alles auf Anhieb klappen.

Das ist dann die Anwendung des nächsten Prinzips:

Step-by-step

Ich kann das noch nicht. Ich übe. Und das geht auch manchmal schief.

Deshalb ist der nächste Punkt auch so wichtig:

Love your mistakes.

– Autsch!

DAS soll ich im Brustton der Überzeugung…? – Ja! Habe ich! Und ich habe auch noch recht damit.

In diesem Fall heisst es: Ich habe durch diesen „Fehler“ der sehr verspäteten Blogartikel gelernt, das sich ein anderes Back-up-System brauche, um mit dem unberechenbaren Anteil meiner Erkrankung besser klar zu kommen.

Wie das aussehen kann, weiß ich noch nicht. Längere Vorlaufzeiten? Ansprüche genauer definieren? Vieleicht sowas wie: Die Deadline ist heilig. Egal, was bis dahin passiert ist, ist die fertige Version. In modern heisst das dann übrigens „agile work“.

… mal schauen…

Da brauche ich noch ein paar Mal meine Kreativität und Neugier für smarte Ideen. Und ein paar weitere gescheiterte Anläufe Experimente wahrscheinlich…

Wobei jetzt noch das vierte Prinzip fehlt.

Spiele die Szene, die du selber gerne sehen würdest.

Was würde ich gerne sehen? Welche Geschichte möchte ich irgendwann über meinen Umgang mit der Krankheit erzählen?

Vielleicht sowas wie: Es hat ein paar Monate gedauert, aber dann hatte ich den Bogen raus, wie ich trotz chronischer Schmerzen, keiner Ausicht auf Heilung trotzdem keine nur um mich und mein Leiden kreisende, jammernde Zynikerin wurde. Und auch wieder meine Interessen mit Freude betreiben konnte. Und der Blog wuchs und gedieh auch weiter. Es gab ja schliesslich genug zu erzählen.



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