Burn, Baby, burn! – 10 Jahre Burnout Jubiläum – Mittwochsblog

Burn, Baby, burn! – 10 Jahre Burnout Jubiläum – Mittwochsblog

In den erste Märztagen vor zehn Jahren bin ich gegen die Wand gefahren. Und das Seltsame ist: Ich habe es noch nicht mal gleich gemerkt.

Im Januar vor 10 Jahren: Panikattacke im Flugzeug, weil der Flieger ein bisschen gewackelt hat. Die erste „richtige“ und dazu noch öffentlich! Wir waren auf der Rückreise unseres ersten Karibik-Urlaubs. Man gönnt sich ja sonst nicht und bei dem vielen Stress hatten wir uns das längst verdient.

Im Februar vor 10 Jahren: Schwindelanfall in einem Trainingskurs, den ich geleitet habe. Ich musste abbrechen und mich flach auf den Boden legen, Beine hoch. Ein Kollege brachte mich zum Betriebsarzt. Nichts zu finden. Alles OK! Hinterher habe ich erfahren, dass danach Gerüchte im Umlauf waren, ich sei schwanger. War ich nicht.

Erste März-Woche vor 10 Jahren: Ich sitze als Prüferin in einer IHK-Prüfung. Mit Mittelohrentzündung und Fieber. Wie ich danach die achtzig Kilometer Heimfahrt bewältigt habe, weiß ich nicht mehr. Mein Hausarzt hat mich am nächsten Tag für eine Woche krankgeschrieben. Ich fand das übertrieben. Ich hatte einen Schreibtisch voller Arbeit, ich konnte nicht krank sein.

Er schrieb mich nach der ersten Woche aber wieder krank. Für vierzehn Tage. Das tat er nochmal und nochmal und nochmal und nochmal. Ich habe noch einige Krankschreibungen bis September 2011 bekommen.

An den Sommer in diesem Jahr 2011 erinnere ich mich kaum. Ich war viel alleine. Alle, die ich kannte, mussten schließlich arbeiten. Ich bin viel spazieren gegangen, habe, als ich wieder Auto fahren konnte, kleinere Ausflüge gemacht. Ich habe darauf gewartet, dass es mir wieder besser ging.

Für Juli bekam ich 21 Tage Reha-Aufenthalt genehmigt. Noch mehr Spazierengehen, Schreibgruppe, Fango, Gymnastik, Ergotherapie. Das tat gut. – Ich war immer noch einfach nur müde. Zutiefst erschöpft. Konnte mich nur kurz konzentrieren. Schlief trotz Müdigkeit am Tag in der Nacht dann doch wieder schlecht. Ich reiste wieder nach Hause, obwohl es besser gewesen wäre zu bleiben. Die Verlängerung wurde von der Krankenkasse aber nicht genehmigt.

„Ruh‘ dich aus!“ – sehr witzig.

Ich habe angefangen viel zu schreiben. Wollte verstehen, was mit mir los war. Es war mir peinlich, dass ich nicht mehr konnte. Ich war Anfang Vierzig, das war doch die berühmte „Rushhour des Lebens“. Ich musste mir doch etwas aufbauen. Meinen Job richtig gut machen, denn ich mochte meinen Job als Trainerin. Und ich war gut darin. Ich wollte noch was vom Leben. Es war mir was schuldig: Ich hatte mich doch immer angestrengt. Da konnte dieses Gefühl von Dauerstress und Überlastung doch nicht das Ende der Fahnenstange sein!

Und ein Burnout stand mir sowieso nicht zu. Ich arbeitete nicht 60 Stunden oder mehr die Woche, hatte weder eine verantwortungsvolle Leitungsposition, noch war ich Pflegekraft. Ich verdiente nicht gut genug, um einen Burnout zu haben. Das betraf doch ganz andere Leute, die die wirklich anstrengende Jobs hatten. Ich fuhr nur 80 Minuten mit dem Auto über Land zur Arbeit, fing morgens um acht Uhr an und war gegen 19:30Uhr wieder zu Hause. Das war doch nicht genug, um so dermassen zusammenzukrachen! Außerdem liebte ich meinen Job! Gestresst sind wir doch irgendwie alle!

Wahrscheinlich hatte ich gar keinen Burnout sondern einen Meltdown.
– Ich Schneeflöckchen!  

Es musste an mir liegen. Ich war einfach nicht leistungsfähig genug. Nicht gut genug. Ich musste mich einfach nur mehr anstrengen. Ich wollte, das alles wieder so wird wie es „vorher“ war. Wurde es aber nicht. Trotz Anstrengen.

In den nächsten Wochen im März schreibe darüber, wie ich nach und nach in diesen Zusammenbruch reingeschlittert bin, ohne es zu merken. Trotz aller Alarmzeichen, die ich einfach nicht als solche erkannt habe. Ich berichte, was in den Monaten und Jahren danach passierte und was sich alles verändert hat durch diese Erfahrung. Eins war mir allerdings die ganze Zeit klar: Der Burnout ist ganz bestimmt nicht das Beste ist, was mir jemals passieren konnte.



Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.