Burnout – (k)eine Heldenreise? – Mittwochsblog

Burnout – (k)eine Heldenreise? – Mittwochsblog

In den letzten Tagen habe ich einen immer größeren Unwillen in mir gespürt, mich mit meinem Monatsthema „Burnout“ auseinander zu setzen. Das Schreiben darüber fiel mir immer schwerer, wurde zäh und bemüht. Es machte mir keine Freude mehr. Das Blogartikel schreiben waren von „Au ja!“ zu „Oh je!“ geworden.

Wie konnte das sein? Ich hatte mir das doch schließlich selbst ausgesucht! Hatte mir schon so viele Stichworte und Ideen notiert und wollte endlich raus damit. Da hatte ich doch wirklich etwas zu erzählen! Und trotzdem war plötzlich die Luft raus. Das Thema fing an, mich gehörig zu langweilen. Alles was ich schrieb, hatte ich schon woanders gelesen, nur besser. Ja, ja, ich weiß schon, so wie ich darüber schreiben könnte, könnte nur ich …bla…

Dann habe ich erstmal das gemacht, was oft hilft: Trotzdem schreiben! Der Genuss kommt beim Essen und so … oder war’s der Hunger? Wie dem auch sei, das hat diesmal nicht funktioniert. Es entstanden zwar seitenlange Traktate, aber die waren sehr gereizt im Ton. Mindestens. Selbstmitleid spielte eventuell auch eine Rolle. Teils trieften sie geradezu von Vorhaltungen gegen „die Gesellschaft“, „die Wirtschaft“, „das System“ und natürlich gegen mich selbst. Ich hätte es besser wissen können. Ich hatte mich da doch selbst reingewurschtelt. Die Schuld bei anderen suchen ist einfach. Die Verantwortung für mein Leben habe ich selber. Genauso ist es doch!

Ist es das?

Vielleicht ist alles auch viel komplexer und hat gar nicht so viel mit klaren Ursache-Wirkungs-Beziehungen zu tun, wie ich das gerne hätte. Mir kamen die letzten Jahre jedenfalls häufig eher so vor: Im Kopf mehr Fragezeichen als Antworten und was „meinen Weg“ angeht, da fallen mir die Worte zufällig, erratisch, entdeckend, improvisierend, ahnungslos, verwirrt, fragend, experimentierend ein.

Auch im Rückblick kann ich keine klare Linie herausschälen. Mein Leben hatte eher etwas von mäandern als beharrlich ein Ziel ansteuern. Ich habe es nicht geschafft, meine Geschichte in eine schöne Storyline á la Heldenreise zurechtzuschreiben.

Nicht mal Burnout kann ich richtig!?

Naja – kann man so sehen. Ich bevorzuge eher diese Deutung:

Das Ganze verweigerte sich erstmal, etwas „Nützliches“ aus sich machen zu lassen.

Und das finde ich im Moment sogar prima! Denn ich vermute, dass dieser Nützlichkeitswahn, die Verzweckung von jeder Erfahrung, jedem Tun in Wirklichkeit mehr Probleme schafft als dass es sie löst. Das Bestreben allem einen Nutzen zuzuschreiben und dadurch auch einen Sinn zu erzeugen, hilft vielleicht vordergründig, sich mit etwas besser abfinden zu können. Vor allem bei misslichen Erfahrungen kann das emotional verflixt lohnend erscheinen. Denn dann hat sich das Ganze „gelohnt“, war das Leiden nicht sinnlos. Dann war es keine schicksalhafte Erfahrung, der ich ausgeliefert war, denn ich habe ja etwas daraus gemacht.

Am besten habe ich etwas gelernt, das messbar, quantifizierbar ist oder wenigstens mich im Vergleich mit mir selbst besser dastehen lässt. Dann bin ich durch diese Erfahrung ein weiserer, besserer, klügerer Mensch als vorher. Was für ein Glück! Das schützt mich wie ein magisches Schild vor den Unberechenbarkeiten des weiteren Lebens. Ich kann aus allem etwas machen! Jawoll!  

Diese Sorte magisches Denken hat bei mir leider nicht funktioniert. Denn natürlich wollte ich auch „etwas aus meiner Erfahrung machen“. Das Leben hat mir mein wunderbares Konstrukt allerdings just in dem Moment zerbröselt, als ich ein Coaching-Buch darüber schreiben wollte. („Glaub nicht alles, was du denkst“ wurde dann von jemand anderem geschrieben.) Mit dem Tod meines Vaters und meiner besten Freundin innerhalb nicht mal eines Jahres wurde ich mit zwei Verlusten konfrontiert, aus denen ich ganz bestimmt keinen Sinnsaft zum Verkaufen pressen wollte. Da stand „Trauer“ an und dabei war ich noch nicht mal mit „Burnout“ ordentlich durch.

Back to square one. Das war 2017/2018.

Fortsetzung folgt….



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