Von Werten, Träumen und Tun, was man liebt – Antwort 19

Von Werten, Träumen und Tun, was man liebt – Antwort 19

Welche Werte halten dich von deinen Träumen ab?

An dieser Frage, so wie ich sie am vergangen Freitag gestellt habe, habe ich sehr, sehr lange herumgedacht und einen Entwurf nach dem anderen wieder verworfen. Irgendwann am Sonntag hatte ich so lange darauf herumgekaut, dass sie einen Geschmack hatte, der mir gar nicht mehr gefallen hat. richtiggehend eklig war das!

Dann habe ich die Frage umformuliert und so war sie wieder etwas leckerer.
Hier also die Antwort auf eine andere Frage.

Welche Werte halten dich davon ab, das zu tun, was du liebst?

Werte, Träume und das tun, was man liebt. Da steckt auf den ersten Blick doch gar kein Wiederspruch drin.

Tja, das habe ich auch gedacht und beim Aufschreiben wurde es düster, nach und nach verschwand alle Klarheit.

Deshalb zu Anfang ein paar Startpunkte, damit wir ungefähr über dasselbe sprechen.

 

Werte, die

Einstellungen, Haltungen oder eine Sicht auf die Welt, die mir wichtig ist. Werte sind für mich Nordsterne, an denen ich meine Handlungen ausrichten kann. Es sind Ideale oder auch Zielvorstellungen davon, was eine für mich gute und richtige Art zu handeln ausmacht. Eine bestimmte Haltung führt zu einer bestimmten Handlung.

MUT – FREIHEIT – EHRLICHKEIT – NEUGIER – KREATIVITÄT – OFFENHEIT – FAIRNESS

Ich kann aus meinen Werten auch die Art und Weise, WIE ich handeln will, ableiten:

Mutig, frei, ehrlich, neugierig, kreativ, offen, fair.

(Idealvorstellung! OK?
 – Nur das hier keine Missverständnisse aufkommen.)

 

Träume, die

Vorstellungen und Ideen von zukünftigen Ereignissen, deren Eintreffen ich mir wünsche, weil ich glaube, dass mich das zufrieden und glücklich machen wird. Kann gleichgesetzt werden mit Zielen. Aber das kann zu einem heillosen Durcheinander führen.

Auch: Symbole, die mir zeigen, was in meinem Leben zurzeit fehlt. Die ich aber nicht wortwörtlich in meinem Leben realisieren muss oder sollte.

 

Tun, was man liebt, das

Die Tätigkeit(en), bei denen ich mich pudelwohl fühle. Bei denen ich mich und die Zeit vergessen kann. Die Ausführung kann von Flow-Erlebnissen begleitet sein. Tun, das mich glücklich macht.

 

Der Unterschied zwischen „Traum“ und „Tun, was man liebt“

Der Einfachheit halber hier ein konkretes, persönliches Beispiel:

Tun, was ich liebe? Beantworte ich mit „Schreiben“! In allen Formen, Farben und Größen. Mit Füller, Bleistift, Feder, Buntstift, Kuli per Hand oder mit dem Rechner, völlig egal. Hauptsache: Buchstaben auf Papier bringen!

Der dazugehörige Traum ist: Ich kann von meinem Schreiben leben!

So! Nun ist es raus! – Ein unrealistischer, unwahrscheinlicher, großartiger Traum.
Denn: Wer kann das schon?

Sollte ich deshalb aufhören zu schreiben? Nein, natürlich nicht!

Denn wer weiß? Vielleicht, vielleicht …

Ich kann weiter auf die Verwirklichung dieses Traumes hinarbeiten, aber ob es dazu kommt liegt außerhalb meines Einflussbereiches. Nicht in meiner Hand, sondern in der Hand meiner potentiellen Leser*innen. Sie müssen mich erstens in der riesigen Menge der publizierten und publizierenden Autor*innen finden und zweitens auch noch mögen, was ich schreibe. Darauf habe ich keinen Einfluss.

I can’t make you love me.

(or my writing – that is)

Soll ich also nur schreiben, um auf die Verwirklichung des Traums hinzuschreiben?

Auf gar keinen Fall! –  Ich soll unter allen Umständen schreiben. Einfach, weil ich es liebe, weil es mich glücklich macht. Das ist der einzige Grund. Ich schreibe immer weiter, und zwar ganz unabhängig davon, ob sich mein Traum erfüllt oder nicht.

Für eine lange Zeit habe ich mir das Schreiben trotzdem nicht gestattet

Jedenfalls nicht in ausreichender Dosis. Ich habe hauptsächlich für mich persönlich geschrieben. Mehrere schnell wieder abgebrochene Blogprojekte liegen noch marode rechts und links vom Weg. Ich habe sie geschrieben mit dem Zweck, dass sich mein Traum erfüllt. Das konnte nicht gut gehen. So geht man mit einer Liebesbeziehung nicht um, man instrumentalisiert und manipuliert sie nicht!

Auf trickreiche Weise haben mich meine Werte davon abgehalten, das zu tun, was ich liebe

In der Aufzählung oben habe ich noch ein paar Werte unterschlagen:

Produktivität – Effizienz – Erfolg

Umgemünzt in Handlungsanweisungen sieht das dann so aus:
Sei produktiv! – Sei effizient! – Sei erfolgreich!

Immer noch alles in Ordnung. Das sind durchaus positive und erstrebenswerte Eigenschaften. Wer will schon unproduktiv, ineffizient oder erfolglos handeln?

Wenn ich aber versuche das mit „Schreiben“ in Verbindung zu bringen wird es haarig: Klar, ich kann sehr viel schreiben. Das geht immerhin.

Aber wie soll effizientes Schreiben funktionieren? Das würde heißen, ich müsste auf Anhieb tolle Texte abliefern, solche, die ich nicht mehr überarbeiten muss. Am besten schreibe ich sie sofort in den Rechner, ohne das lästige Vorschreiben mit der Hand. Hier ist der erste kapitale Haken. Das klappt bei mir nicht. Ich muss alle Texte immer vorschreiben. Das ist für mich – und meine Texte – tatsächlich am besten. Ich liebe diesen Teil des Schreibens unbändig, ohne den ist es nicht einmal die halbe Freude. Schreiben und Effizienz geht also so nicht zusammen – Textentstehung braucht seine Zeit! Meinen kreativen Prozess kann ich nicht „effizient“ machen. Das weiß ich alles erst jetzt. Nach viel Ausprobieren und Ringen um Effizienz. Keine Zeit zu verschwenden ist mir immer noch wichtig, aber dieser Ansatz hat beim Schreiben nicht mehr oberste Priorität. Ich musste diesen „Wert“ für mich anders einsortieren und das war nicht einfach.

Und was ist mit „Erfolgreiches Schreiben“?

Das war lange Zeit das größte Hindernis: Mir musste „Erfolg“ beim Schreiben erst unwichtiger werden, bevor ich es mir „erlauben“ konnte viel und oft zu schreiben. Denn während ich schreibe, kann ich nicht wissen, ob ich „erfolgreich“ schreiben. Das kommt, wenn überhaupt erst hinterher. Darauf habe ich ja keinen Einfluss (s.o.)

Ich musste also den Traum vom erfolgreichen Schreiben, aka „Ich kann vom Schreiben leben!“, abkoppeln von der Tätigkeit des Schreibens an sich. Meine Idee von Erfolg, mein Traum und „Ich liebe es zu schreiben.“  mussten zu zwei Dingen werden, die unabhängig voneinander bestehen können. 

Wenn ich beide Dinge getrennt betrachte, kann ich auch schreiben, OHNE dass ich „erfolgreich“ sein muss. Dann kann ich einfach das tun, was ich liebe. Aus Selbstzweck, weil es mir Freude bereitet.

Ich musste mir erst einmal klar darüber werden, wie wichtig Schreiben für mich ist, wie glücklich es mir macht, bevor ich es gegen meine Werte verteidigen konnte.

Denn es hat nichts mit Werten zu tun, dass ich das tue, was ich liebe.

Sondern nur mit meinem Wunsch, mich selbst so glücklich zu machen, wie ich nur irgend kann!

Wer Lust hat, sich noch schnell die passenden Werte zu verschaffen. Hier gibt es eine Liste.

 



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