60 Fragen – Antwort auf Frage 1

60 Fragen – Antwort auf Frage 1

Wann hast du das letzte Mal etwas zum ersten Mal gemacht?

Mein letztes erstes Mal

Als ich mir dieses Fragenset vor ziemlich langer Zeit ausgedacht habe, wäre es bei der Antwort auf diese Frage um das Ausbrechen aus Routine und Autopilot gegangen. Es wäre darum gegangen, wie bereichernd, inspirierend und spannend das sein kann. Wie es das Leben bunter und interessanter machen kann, wenn man ab und zu mal etwas tut, was man noch nie getan hat. Ein locker flockiger Einstieg in die Challenge. Wir hätten uns an das Gefühl von Schmetterlingen im Bauch erinnern können, an die Freude, die diese angenehme Aufregung auslöste. Die Frage hätte dazu eingeladen, nach schönen „Ersten Malen“ zu suchen. Und vielleicht hätte sie den Wunsch geweckt: Ach, ja, davon hätte ich gerne mehr.

Hätte, hätte, Fahrradkette

Heute und jetzt haben wir in den letzten Monaten so viele erste Male hinter uns gebracht, dass die meisten von uns schon gar nicht mehr mitzählen. Auf die Mehrzahl davon hätten wir außerdem gerne verzichtet. Das erste Mal Klopapier und Hefe hamstern. Der erste Corona-Test. Positiv! – Scheiße! – Der erste Jobeinbruch durch eine Pandemie, der uns erwischt wie eine Guillotine. Das erste Mal Homeschooling.

Aber auch: Maskennähen für andere. Der erste Online-Spieleabend. Das erste Bier-Tasting vor dem Rechner. Das erste gestreamte Konzert oder anderes Kulturevent. Explodierende Kreativität und enorme Flexibilität!

Jede/r von uns hat ein ganz individuelles Muster an ersten Malen: Verluste, Gewinne, Aufreger, besondere Mitmenschlichkeit erleben und gewähren, besondere „Ich bin stolz, dass ich/ wir das geschafft habe/n“ – Momente. In den letzten Monaten war alles dabei.

Viele unerwünschte erste Male, klar! Aber eben auch positive Dinge, die ohne die Pandemie nicht entstanden wären. Wäre es uns lieber, dass wir keine Pandemie hätten. Natürlich! Würden viele, die es schlimm erwischt hat, sofort tauschen. Keine Frage!

Eine der überraschendsten Fragen, die ich während dieser Zeit gestellt bekommen habe, hat mir eine gute Freundin gestellt: „Was ist das Beste, das dir durch Corona passiert ist?“ *

Das Beste, was mir passiert ist, dass ich an einem Online-Schreibkurs teilgenommen habe und daraus eine Schreibgruppe mit drei anderen Mitschreiberinnen und Autorinnen aus Deutschland und Österreich entstanden ist. Ohne Corona hätte es dieses Angebot nie online gegeben. Und wir hätten uns nicht getroffen. Jetzt gibt es einmal in der Woche ein virtuelles Treffen, bei dem wir uns „friendly feedback“ zu unseren Texten geben, uns über das Schreiben und unsere Schreibpraxis unterhalten. Ohne diese Ermutigung würde es mein aktuelles „Erstes Mal“ nicht geben:

Ich starte eine öffentliche Schreib-Challenge und rede darüber.

Wie aufregend!

 

*Ich bin mir sehr bewusst, wie privilegiert ich bin, dass ich mir überhaupt Gedanken über diese Frage machen kann. Viele hätte diese Frage zu Recht um Ausrasten gebracht. Bisher hatte ich viel Glück. Frage 2 in der nächsten Woche guckt da passenderweise nochmal genauer hin.



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