Alle Zeit der Welt – Antwort 31

Alle Zeit der Welt – Antwort 31

Frage 31: Was würdest du tun, wenn du kein Geld verdienen müsstest?

Es geht bei dieser Frage im Grunde darum, was ich mit der vielen Zeit anfangen würde, wenn ich nicht 20 – 40 – x Stunden pro Woche für den Tausch Arbeit gegen Geld verwenden müsste.

Tja, und damit habe ich mir leider selbst ein Ei gelegt. Denn die Frage betrifft mich selbst in dieser Form gar nicht mehr. Und das ist mir verrückterweise erst jetzt -durch die Beantwortung der Frage- wirklich klar geworden, obwohl es schon längere Zeit so ist.

Erstens bin ich selbständige Freiberuflerin und kann mir meine Zeit frei einteilen. Ich habe die Freiheit, zu entscheiden, wieviel Zeit ich für Geld verdienen verwenden möchte.

Zweitens muss ich nicht selbst und ständig arbeiten, weil unser gemeinsam erarbeitetes Paar-Einkommen durch den sicheren Verdienst meines Mannes abgesichert ist. (Hammersituation, ich weiß!)

Drittens entscheide ich doch nicht ganz selbst, wie ich meine Zeit verbringe: Durch gesundheitliche Limits kann ich gar nicht mehr „Vollzeit“ arbeiten. Denn ich brauche viel mehr Zeit als früher, um mich zu erholen und mich um meine Gesundheit zu kümmern.

Das Nachdenken über diese Frage hat mir bewusst gemacht, in was für einer außergewöhnlichen Situation ich gerade bin.
Und dass es mehr als dämlich wäre, sie nicht dafür zu nutzen, genau das zu tun, was mir Freude macht.
„Nenn mich nicht dämlich!“
– Eben!
Wenn ich schon dauernd so schlau tue,
sollte ich konsequenterweise auch ein bisschen cleverer handeln
(Was würde Plato tun?)
– das Geschenk dieser Lage annehmen
und das Allerbeste draus machen!
Der Witz ist, dass es mich trotzdem Überwindung gekostet hat und oft immer noch kostet, diese Freiheit auch wirklich konsequent zu nutzen und tatsächlich VOR ALLEM das zu tun, was mir Freude macht.[1] Unabhängig davon, ob es gleich Geld bringt oder nicht.

Im Moment betrifft das vor allem meine Schreibleidenschaft.

 

Gönne ich es mir, die meiste Zeit für etwas zu verwenden, das mir einfach nur Freude macht?

Schreibe ich am Roman weiter, auch wenn mein Buch zwar einen Agenten, aber noch lange keinen Verlag hat?

Schreibe ich Blogartikel, auch wenn mein Blog noch nicht so viele Leser hat?

Schreibe ich Personal Essays auch wenn sie nur innerhalb der Schreibgruppe bleiben?

Schreibe ich weiter, auch wenn ich vielleicht nie durch Schreiben (viel/ überhaupt) Geld verdienen werde?

 

Gönne ich es mir, meine Zeit auf kreative Arbeit zu verwenden, ohne zu wissen, was dabei „herauskommt“?

Was mich daran hindert, ist dieses ungute Gefühl im Bauch, meine Zeit zu verschwenden.

Ich müsste doch eigentlich etwas „Sinnvolleres“ oder „Nützlicheres“ tun, als ausgerechnet Texte zu schreiben. Etwas, das anderen hilft zum Beispiel.

Vielleicht ist es auch ein „Frauen-Ding“ – dieses nagende Schuldgefühl, sich dem eigenen kreativen Ausdruck zu widmen. Ist das nicht fürchterlich egoistisch?

Ich bin mit diesem Thema noch nicht „durch“. Es wabern da einzelne, für mich noch nicht greifbare Ideen und wolkige Assoziationen durch meine Gedankenlandschaften. Wahrscheinlich werde ich noch ein bisschen mehr Zeit in diese spannenden Überlegungen stecken.

Warum? – Weil ich es kann!

Und weil es mir Freude macht. ♥

Im Grunde tue ich dadurch sogar etwas für den Weltfrieden. 😉
Jedenfalls ist es in meiner kleinen Welt deutlich friedlicher, wenn ich zufrieden bin, weil ich Dinge tue, die mir Freude machen.
Und das ist immerhin ein Anfang.

[1] Abgesehen von nervigen Muss-Sachen wie Steuerkram usw.…von denen ich allerdings auch schon einige abgegeben habe.



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