Schreiben? – Das ist doch Zeitverschwendung

Schreiben? – Das ist doch Zeitverschwendung
Am Anfang

Schreiben! Ich muss schreiben, sonst werde ich zum Zombie. Mein Zustand nach den letzten zehn schreiblosen Tagen ist nur eine erneute Erinnerung daran. Eigentlich ist es ganz einfach: Hinsetzen, Stift nehmen und Seite um Seite mit meinen Gedanken füllen. Sonst schlafloser Zombie, dem das Hirn vor lauter Gedanken explodiert.

Ich weiß das alles, warum schreibe ich dann nicht regelmäßiger?

Weil da einer in meinem Kopf Fragen stellt! Viele Fragen. Und die Antworten werden praktischerweise gleich mitgeliefert. Wenn ich auf slow-motion klicke und genauer zuhöre, klingt das in etwa so:

„Aber wo soll das Schreiben hinführen? Richtig, nirgendwohin! Aha! – Ist das nützlich für andere? Nein, das dachte ich mir. – Du verdienst damit kein Geld, oder? Nein, das dachte ich mir auch. – Hast du nichts Besseres zu tun? Wohnung aufräumen, Steuererklärung machen, deine to-do-Liste abhaken? Eben, dann bekomme mal deinen Hintern hoch und sitz nicht so faul mit dem Stift in der Hand rum.“

Diese Gedankengänge rauschen normalerweise so schnell durch, dass ich nur noch das Resultat mitbekomme: Ich wusele den ganzen Tag und erledige ausschließlich (!) die nützlichen und vernünftigen Dinge. Und für einige Tage fühlt es sich auch wirklich toll an, was „geschafft“ zu haben. Aber dann kommt eben der Zombie-Zustand. Nicht schön! Für niemanden!

Also entschleunigen wir doch noch mal ein bisschen mehr und unterbrechen die Frageflut mit ein paar nicht-automatisierten Antworten.

Wo soll die das Schreiben hinführen?

Ehrlich gesagt, habe ich keine Ahnung. Ich weiß es wirklich nicht! Ich kann das nicht wissen, weil ich noch nie regelmäßig geschrieben und veröffentlich habe.
Die Frage ist also, bist du mutig genug, einen unbekannten Weg mit mir zu gehen? Einen Weg, von dem du nicht vorher weißt, wohin er führt. Hältst du so viel Ungewissheit aus?
Also, ich finde das ziemlich interessant. Der Wegabschnitt, den wir im Moment sehen können, sieht doch schon mal ganz nett aus. Ich würde schon gerne wissen, was um die nächste Ecke auf mich wartet. Oder bist du ein kleines Angsthäschen? Glaube ich nicht, denn dann würdest du die Klappe nicht so weit aufreißen.

(Nicht vergessen: Immer freundlich lächeln während dieser Unterhaltung!)

Ist das nützlich für andere?

Es ist erst einmal nützlich für mich. Wenn ich schreibe, fühle ich mich pudelwohl. Schreiben hilft mir dabei, meine Gedanken zu ordnen. Ich wechsele vom linken Fahrstreifen der Gedankenautobahn auf den rechten, alles wird etwas langsamer. Dadurch kann ich aufmerksamer sein. Das gefällt mir inzwischen sehr. Manchmal parke ich sogar, steige aus und fange an zu schlendern. Ab und zu bleibe ich sogar stehen, weil mir am Wegrand etwas Schönes aufgefallen ist. Schnelligkeit ist nicht immer das Beste, um vorwärts zu kommen.

Das alles ist nützlich für andere, weil ich etwas entschleunigt viel aufgeräumter bin und bessere Laune habe. Ich kann ein netterer Mensch sein, wenn ich schreibe. Ich glaube, alle, die mit mir direkt zu tun haben, finden das sehr nützlich.

Ob das, was ich produziere für die nützlich ist, die es lesen, kann ich wieder nicht wissen. Ich kann nicht wirklich vorhersagen, wer was wann in welcher Lebenssituation liest. Und ob das in diesem Moment von Nutzen für genau diese Leserin, diesen Leser ist.
Ich kann nur von der Idee ausgehen, dass wenn meine Texte MIR helfen, mich zu sortieren, das auch für andere Menschen so sein könnte.

 

Du verdienst damit kein Geld, oder?

Das stimmt, im Moment verdiene ich kein Geld durch mein freies Schreiben. Das muss ich aber auch gar nicht. Das erledige ich woanders. Und sogar auch schon zum Teil durch Schreiben.
Aber wer weiß, was für Entwicklungen hinter der nächsten oder übernächsten Wegbiegung schon auf uns warten. Natürlich ist es ein Traum, nur vom Schreiben zu leben. Vielleicht klappt es, vielleicht aber auch nicht. Hauptsache ist, dass ich überhaupt schreibe.

Ich verdiene vielleicht nie Geld damit, aber ich verdiene es, mich glücklich und zufrieden zu schreiben.

Und jetzt geh‘ ich sehr beschwingt mal auf meine andere To-do-Liste gucken.

Noch Fragen?

 



Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.